Viele nehmen das Wort in den Mund. Nur wenige kennen seine Bedeutung.

Design: Selten ist ein Wort derart breit getreten und missbraucht worden, wie der Begriff "Design".

Zu Deutsch könnte man von Formgestaltung sprechen, würde diese Formulierung des Begriffs Design dem wirklichen Anspruch nicht auch hinterher hinken.

Die Wurzeln des Begriffes "Design" liegen in den Ideen des sogenannten Bauhaus begründet, einer ehemaligen Werkkunstschule in Dessau. Wer schöpferisch tätig sein wollte, hatte seine Pläne und Ideen mit möglichst hoher handwerklicher Präzision in Einklang zu bringen. Dabei war unter anderem stets darauf zu achten, dass jedes Produkt auch in ästhetischer Hinsicht hohem Anspruch genügt.

Das Bauhaus mit seinen damals revolutionären Ideen erlangte Weltruhm. Die Form wird zum Qualitätsmerkmal und verkommt nicht zur bloßen Fassade. Die durchdachte Gestaltung eines Gegenstandes, seine leichte Handhabung, die logische Anordnung seiner einzelnen Komponenten - dies alles führt bei konsequenter Beachtung der wichtigsten Thesen und Regeln fast selbstverständlich zu ästhetischen, ansprechenden Formen. Seit den siebziger Jahren etwa erlebt die Bauhausphilosophie eine Renaissance. Aber oberflächliche Berichterstattung in den Medien und der oftmals völlig unpassende Einsatz des Begriffes in der Werbewirtschaft, verfälschten unter anderem bei vielen Konsumenten den ursprünglichen Sinn: Köche designen mittlerweile Menüs, Floristen designen Blumensträuße. Sogar Schäferhunde verändern mit den Jahren ihr Design... Der Missbrauch des Begriffs ist mittlerweile vielfältig und grotesk. Gutes Design aber ist - von einigen Ausnahmen einmal abgesehen - praktisch, langlebig und meistens auch preiswert. Gutes Design manifestiert sich nicht unbedingt im teuren, chicen aber unbequemen Ledersofa. Auch ein winziger Schuhlöffel kann das reife Werk eines guten Designers sein. Autos mit minimalem Kraftstoffverbrauch, widerstandsarmer Karosserie und wieder verwertbaren Materialien repräsentieren gutes Design. Ein schlichter aber bequemer Stuhl mit robusten Bezügen ist gutes Design. Gutes Design verkörpert auch ein der Wohnung und den Bedürfnissen des Kunden perfekt an- und eingepasstes Einbaumöbel. Eine Einbauküche, in der alle Komponenten wohl durchdacht und griffbereit angeordnet, deren Materialien verschleißarm und hygienisch einwandfrei sind, veranschaulicht gutes Design.

Diese wenigen Zeilen können das Thema "Design" nur streifen. Ich würde mich trotzdem freuen, wenn dieser Artikel helfen würde, den zuweilen arg strapazierten Begriff besser zu verstehen. Nur dann kann man mit ihm auch umgehen.

Werner Veeser, Schreinermeister